Analyse-Methoden des Forex-Tradings

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Analyse-Methoden des Forex-Tradings

Eine sinnvolle Marktanalyse basiert auf drei Fundamenten: Die technische Analyse, die fundamentale Analyse und die Sentimentanalyse. Welche der Methoden die beste ist, ist nach wie vor umstritten und wird vermutlich niemals geklärt werden. Trader tun gut daran, alle drei zu kennen und im Optimalfall gemeinsam anzuwenden. Auf diese Weise lassen sich die Ergebnisse aus den einzelnen Teilbereichen stützten und bieten so eine aussagekräftigere Analyse.

1.    Die technische Analyse

Die technische Analyse ist für viele Einsteiger die trockenste Analysemethode, allerdings ist sie auch leicht zu verstehen. Sie arbeitet ausschließlich mit Charts, also der Kurshistorie. Die Idee dahinter ist, dass Analysten durch die Analyse der Vergangenheit einschätzen können, wie sich der Kurs zukünftig entwickeln wird. Prinzipiell müssten alle aktuellen Marktinformationen im Chart enthalten sein und in der Vergangenheit wurden Muster entdeckt, die es ermöglichen, den Kursverlauf vorherzusagen.

Forex Trend 2

Abb. technische Analyse

Die technische Analyse ist besonders häufig unter Rechtfertigungsdruck. Zugleich ist sie jedoch auch eine der bekanntesten Analysemethoden und die meisten Anleger beziehen sie mit ein. Dies liegt jedoch auch daran, dass die meisten Muster fast allen Händlern bekannt sind und sie häufig als Signalgeber genutzt werden. Dies bedeutet wiederum, dass sich zahlreiche Investoren genau so verhalten, wie der Kurs es voraussagt und beispielsweise bei einem Kaufsignal kaufen. Da aber ein Großteil der Anleger diese Kaufsignale sieht und auch kauft, entsteht tatsächlich ein Kursgewinn, der die technische Analyse bestätigt. Die technische Analyse ist also auch deswegen erfolgreich, weil sie sich selbst bestätigt, ohne dass klar wäre, ob dies auch der Fall wäre, wenn keiner sie nutzen würde.
Ein Problem ergibt sich allerdings aus der Tatsache, dass die technische Analyse sehr subjektiv ist. Wählt ein Trader beispielsweise Zeiträume oder Preisspannen anders aus als der Großteil der anderen Händler, kann es sein, dass seine Chartanalyse zu völlig anderen Ereignissen kommt. Zudem gibt es unterschiedliche Betrachtungsweisen und Darstellungsformen. Auch die Muster sind nicht immer eindeutig und für jeden gleichermaßen deutlich erkennbar. Auch die technische Analyse hat also Schwächen und Anfänger sollten durchaus etwas Zeit dafür aufwenden, Muster zuverlässig zu erkennen und vor allem keine falschen Positiv-Entdeckungen zu vermelden.

Ein Problem ergibt sich zudem auch daraus, dass Charts immer nur die Vergangenheit abbilden können. Bedeutende Wirtschaftsnachrichten sind deswegen in der Regel – abgesehen davon, dass bereits zuvor Erwartungen in den Kurs einfließen – nicht abgebildet. Trader sollten also in jedem Fall die wichtigsten Termine im Kopf behalten, um so zu verhindern, dass sie auf dem falschen Fuß erwischt werden. Der Abgleich mit einem Wirtschaftskalender ist vor jedem Trade Pflicht.

Eine eindeutige Analysemöglichkeit, die unter allen Umständen funktioniert, fehlt zudem. Auch die technische Analyse kann deswegen in gewisser Weise immer nur Vorschläge machen, die nicht immer richtig sein müssen und durch die anderen Methoden bestätigt oder verworfen werden sollten.

2.    Die Fundamentalanalyse

Im Gegensatz zur technischen Analyse benutzt die Fundamentalanalyse vor allem betriebs- oder volkswirtschaftliche Daten. Sie analysiert soziale, politische und gesamtökonomische Vorgänge und kann so Aussagen darüber ermöglichen, wie sich Angebot und Nachfrage in der Zukunft vermutlich entwickeln werden.

Da durch die Fundamentalanalyse komplexe ökonomische Vorgänge dargestellt werden, ist sie – zumindest richtig durchgeführt – sehr aufwändig und benötigt zudem fundiertes Hintergrundwissen. Für den Anfang ist es jedoch ausreichend, aktuelle Entwicklungen und Nachrichten zu verfolgen und abzugleichen, ob es in der Vergangenheit ähnliches gab und welche Entwicklung dies ausgelöst hat. Im Anschluss daran wird dann der weitere Verlauf beobachtet. Auf diese Weise erhalten Einsteiger schnell ein Gespür dafür, welche Nachrichten sich wie stark auf welche Währungen auswirken und so zuverlässigere Prognosen stellen.

Die Fundamentalanalyse wird häufig von Anlegern bevorzugt, die fundierte VWL-Kenntnisse besitzen und demzufolge die Einflüsse auf den Wechselkurs bereits kennen. Für Anfänger ist dieses Gebiet deutlich unübersichtlicher und diverser die technische Analyse. Allerdings lassen sich gerade mit beiden Methoden zusammen die Trefferquoten deutlich erhöhen.

Ein Problem der Fundamentanalyse ist die Komplexität der volkswirtschaftlichen Vorgänge. Verschiedene Länder agieren miteinander, Wirtschaftszweige sind verknüpft und nicht immer können politische Entscheidungen vorausgesehen werden. Wird jedoch nur eine wesentliche Entwicklung verpasst, fällt die gesamte Prognose in sich zusammen und verliert jegliche Aussagekraft. Ein weiterer Nachteil der Fundamentalanalyse ist ebenfalls, dass sie sehr stark in die Vergangenheit gerichtet ist. Aktuelle Entwicklungen werden von ihr jedoch häufig schneller und besser erfasst als bei der technischen Analyse. Gerade bei Finanznachrichten ist sie sehr gut geeignet. Allerdings hat sie einen entscheidenden Nachteil: Nur weil die volkswirtschaftlichen Indikatoren eindeutig sind, bedeutet dies nicht immer, dass sich dies im Kurs niederschlägt. Angebot und Nachfrage, die durch Meinungen entstehen, kann sie nicht immer vollständig abbilden. Wenn Händler jedoch einfach nicht auf eindeutige Signale reagieren, nutzt die beste Fundamentalanalyse nichts.

3.    Die Sedimentanalyse

Der Devisenmarkt richtet sich nach Angebot und Nachfrage und bezieht dabei indirekt auch immer die Stimmung der Marktteilnehmer mit ein. Erwarten Investoren schlechte Nachrichten werden sie bereits vor der Veröffentlichung verkaufen. Andersherum können positive Prognosen zu einem Kursanstieg führen. Der Forexhandel ähnelt hierin sehr stark dem Aktienhandel. Auch hier lernen viele Privatanleger früher oder später das Problem kennen, dass andere Anleger von einer für sie ungemein vielversprechenden Aktie nichts halten und diese demzufolge dauerhaft unterbewertet bleibt.

Damit dies nicht passiert, wurde die Sedimentanalyse ins Leben gerufen. Durch sie wird es möglich, zu erkennen, wie der Markt die aktuelle Lage einschätzt. Hierfür stützt sie sich im Vergleich zu den anderen Analysemethoden hauptsächlich auf weiche Fakten. Sie sammelt beispielsweise Meinungen von Finanzexperten, wertet Medienberichte aus oder nutzt Umfragen unter Anlegern. Gerade bei bedeutenderen Finanznachrichten oder bevor ein Markt eine bedeutende Trendumkehr macht, kann sie sehr hilfreich sein.

Eines der bedeutendsten Probleme der Sentimentanalyse ist allerdings, dass sich viele Ergebnisse teils deutlich wiedersprechen können. Dies liegt zum einen häufig daran, dass die genutzten Methoden selbst nicht immer qualitativ ausreichend durchgeführt werden. So sind beispielsweise viele Umfragen nicht ausreichend aussagekräftig. Natürlich helfen sie allein durch ihre Veröffentlichung allerdings wiederum dabei, die ermittelte Meinung zu festigen.

Zudem geht eine positive Äußerung nicht immer mit einer großen Aktivität einher. Selbst wenn Anleger optimistisch auf die aktuelle Marktlage blicken, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass sie direkt investieren oder überhaupt in der Lage sind, noch mehr zu investieren. Zudem führt eine vorangegangene Investition dazu, dass die Prognose optimistischer ausfällt. Auch die Sentimentanalyse an sich sollte deswegen möglichst viele und zuverlässige Quellen nutzen, um ein möglichst aussagekräftiges Bild erstellen zu können. Wer nicht nur mit harten Zahlen arbeitet, erledigt zudem einen Teil der Sedimentanalyse gleichzeitig während der Fundamentalanalyse. Jedes Mal, wenn der Händler eine Analyse oder Prognose liest, erhält er einen Einblick darüber, was der Markt denkt. Allzu wissenschaftlich ist diese Herangehensweise zwar nicht, sie kann jedoch dennoch dazu beitragen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Welche Art der Analyse ist die beste?

Wer diese Frage zehn Experten stellt, erhält zehn unterschiedliche Antworten. Grundsätzlich sollten Trader die Analysemethode besonders wertschätzen, die ihnen persönlich am besten gefällt. Die zuverlässigsten Ergebnisse werden jedoch nach wie vor durch eine Kombination aller Methoden gemeinsam erzielt. Es ist jedoch durchaus in Ordnung eine der Analysemethoden zu bevorzugen und etwas mehr Zeit auf sie zu verwenden.

Der Vorteil bei der Verwendung mehrerer Methoden ist, dass unterschiedliche Signale in die Analyse eingehen. Während die technische Analyse Trends optisch gut erfassbar macht, ist die Fundamentalanalyse hingegen ein gutes Mittel um äußere und innere Einflüsse zu erfassen und so Prognosen zu festigen. Die Sentimentanalyse ermöglicht es dann einzuschätzen, ob die anderen Marktteilnehmer zu einem ähnlichen Schluss gekommen sind und sich die ermittelten Signale auch dementsprechend auswirken werden.

Wie wichtig eine Kombination aus den drei Analysemethoden ist, zeigt das folgende Szenario:

Ein Händler entdeckt in seinem Chart ein eindeutiges Kaufsignal und handelt sofort. Er investiert sein Kapital in Euro und verkauft dafür US-Dollar.

  • In der Zwischenzeit hebt die US-Notenbank den Leitzins an.
  • Normalerweise würde der US-Dollar davon deutlich profitieren. Nun begibt es sich, dass es seit geraumer Zeit einen neuen Star-Investor gibt, der durch seine kontroversen – aber erstaunlich häufig zutreffenden – Prognosen großen Einfluss gewinnen konnte. Dieser hat erst am Morgen bekannt gegeben, dass der US-Dollar nicht an Wert gewinnen wird, sollte der Leitzins weiter erhöht werden.
  • Der Trend setzt sich somit nicht wie erwartet fort. Im Gegenteil wäre ein deutlicher Verlust für den Händler wahrscheinlich, da er die Fundamentalanalyse vollständig außer Acht gelassen hat. Sein Verlust wird jedoch vermutlich durch die Beeinflussung des Starinvestors verringert. Hier hat er also Glück, dass die vernachlässigte Sedimentanalyse ihm dennoch Vorteile bringt.

Es ist also immer sinnvoll ein Auge auf die anderen Analysemethoden zu behalten, selbst, wenn sie einem nicht unbedingt zusagen.

Die Effizienzmarkthypothese geht hingegen sogar davon aus, dass sich der Markt nicht schlagen lässt und somit jede noch so fundierte Analyse nicht aussagekräftig genug sind. Die Informationen sind immer schon eingepreist, sodass es nicht klar ist, ob die Analyse gegenüber dem Zufall ein besseres Ergebnis hervorbringen kann. Allerdings ist die selbsterfüllende Prophezeiung einer der Gründe, warum sich eine umfangreiche Analyse doch lohnt – wer schnell bemerkt, in welche Richtung sich der Markt entwickeln wird, kann von Kursgewinne profitieren, obwohl sie unter Umständen nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, sondern allein auf der Anlegerpsychologie. Für die Rendite ist dies jedoch letztlich egal. Solange nicht abschließend geklärt ist, dass die Marktanalyse letztlich nicht in der Lage ist, zuverlässige Voraussagen zu machen, wird sie es vermutlich sein.

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