Wie funktioniert der CFD Hebel?

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Wie funktioniert der CFD Hebel?

Der CFD Handel erfreut sich aus vielerlei Gründen hoher Beliebtheit. Zum einen gibt er Anlegern die Chance, durch das sogenannte short gehen auch an fallenden Kursverläufen zu partizipieren. Diese Möglichkeit haben die Differenzkontrakte ihrer Eigenschaft als derivatives, also abgeleitetes Finanzprodukt zu verdanken. Sie bilden also nur den Preis und die Kursveränderungen eines Basiswertes (= Underlying) ab, ohne dass beim Trading ein physisches Produkt erworben wird. Weiterhin besteht durch den vom Hebel bewirkten Leverage Effekt die Möglichkeit, hohe Gesamtvolumina durch den Einsatz relativ geringer Summen zu bewegen. Wie der Hebel genau funktioniert, erklären wir hier.

Hebel und Margin

Hebel und Margin sind zwei Begriffe aus dem CFD Trading, die untrennbar miteinander verknüpft sind. Wie bereits erwähnt, wird bei der Positionseröffnung nicht der Basiswert an sich gekauft. Es wird lediglich eine Sicherheitsleistung hinterlegt, die sogenannte Margin. Damit wird pro Handelsposition deutlich weniger Kapital gebunden, was dem Anleger wiederum mehr Handlungsspielraum offenbart. Denn durch das freie Kapital kann er weitere Positionen eröffnen.
Wie hoch die Margin ist, legt der Market Maker für gewöhnlich selbst fest. In der Regel wird für Aktien eine Sicherheitsleistung in Höhe von 5 % des Gesamtvolumens verlangt, für Rohstoffe beispielsweise 3 % und für über Differenzkontrakte gehandelte Indizes 1 %. Die Höhe der Margin kann je nach gehandeltem Markt aber problemlos auch zwischen 0,5 % und 50 % schwanken.

Möchte der Trader nun eine Positionsgröße von 10.000 Euro eröffnen, so kommt es auf die Anlageklasse an, wie hoch die zu erbringende Sicherheitsleistung ausfällt. Eine Sicherheitsleistung in Höhe von 5 % bei Aktien CFDs resultiert nun in eine Margin von 500 Euro und eine Hebel von 20, während bei Rohstoff CFDs 300 Euro erbracht werden müssen und daraus ein Hebel von 33,3 resultiert. Bei Index CFDs beträgt der Hebel 100, als Sicherheitsleistung müssen lediglich 100 Euro erbracht werden
infoEs gilt also, dass ein niedriger Marginsatz zu einer hohen Hebelwirkung führt und ein hoher Marginsatz eine niedrige Hebelwirkung verursacht. Gerade CFD Trading Anfänger sollten sich aber nicht von hohen Hebeln blenden lassen. Denn hier besteht einerseits zwar die Möglichkeit, mit geringem Kapitaleinsatz hohe Gewinne zu erzielen. Doch wenn der Fall eintritt, dass der Hebel bei ungünstigen Kursverläufen gegen den Anleger arbeitet, resultiert dies in ebenso hohen Verlusten.

Berechnung des CFD Hebels

Der Hebel kann recht schnell berechnet werden, indem die Zahl 100 durch den Marginsatz geteilt wird:

100 / Marginsatz = Hebel

Analog hierzu ergibt ein Marginsatz von 5 % also einen Hebel von (100 / 5 =) 20, ein Marginsatz von 10 % demnach einen Hebel von 10. Die Auswirkungen von Kursänderungen sind dabei stärker, je höher der Hebel ist. Ein vereinfachtes Beispiel soll hier dem besseren Verständnis diesen.

Beispiel 1:

candlesticksAnleger A investiert 5.000 Euro in Aktien, während Anleger B die gleiche Summe in Aktien CFDs investiert. Das Investment von Anleger B stellt die geforderte Sicherheitsmargin (auch „Initialmargin“ genannt) in Höhe von 5 % dar, die übrigen 95 % werden vom Broker hinzugeschossen. Hier wird also ein gehebeltes Kapital von 100.000 Euro gehandelt. Die Kursänderungen wirken sich nun in unterschiedlicher Weise auf das Gesamtkapital aus.

Angenommen, der Aktienkurs steigt um 1 %. Anleger A macht somit einen Gewinn von 10 Euro, da dies einem Prozentpunkt der investierten Summe entspricht. Sein Gesamtkapital steigt damit von 1.000 Euro auf 1.010 Euro. Gleichzeitig wird bei Anleger B, der in das Akten CFD investiert hat, das gehebelte Kapital zur Gewinn- und Verlustberechnung herangezogen. Da dieses 100.000 Euro beträgt, entsteht ein Gewinn von 1.000 Euro, wodurch das Gesamtkapital auf 2.000 Euro steigt. Es hat sich also bereits durch eine geringe Kursveränderung von einem Prozentpunkt verdoppelt.

Nun kann es aber auch vorkommen, dass der Kurs des Basiswertes fällt, anstatt zu steigen. In unserem Beispiel wiederum um 1 %. Trader A verliert dadurch 10 Euro, sein Gesamtkapital schrumpft dementsprechend auf 990 Euro. Trader B hingegen erleidet einen Verlust in Höhe von 1.000 Euro. Damit ist das vorhandene Kapital vollständig aufgezehrt und die Position muss glattgestellt werden. Es besteht also auch keine Möglichkeit mehr, durch ein anschließendes Ansteigen des Kurses wieder Gewinne zu erzielen.
infoWie bereits erwähnt, kann sich der Hebel sowohl zu Gunsten als auch zu Gunsten des Anlegers auswirken. Gewinne sind aus diesem Grund ebenso möglich wie Verluste in entsprechender Höhe. Daher sollten sich auch erfahrene Trader anderer Anlageformen zunächst immer mit dem Wirkmechanismus des Hebels auseinandersetzen und diesen verstehen lernen.

Vergleich direkter und effektiver Hebel

Neben dem direkten Hebel, der bisher ausschließlich beschrieben wurde und berechnet werden kann, indem die Zahl 100 durch den Marginsatz geteilt wird, existiert auch der effektive Hebel. Dieser ist rein von der Positionsgröße abhängig und wird auf den Kontostand des CFD Handelskontos bezogen. Auch hier dient das folgende Beispiel dem besseren Verständnis der Wirkung des effektiven Hebels.

 Beispiel 2:

upAngenommen, dem Trader steht ein Handelskapital von 15.000 Euro zur Verfügung. Die Entscheidung fällt auf 15 DAX CFDs bei einem Indexstand von 6.000 Euro. Er geht eine Long Position ein, da er davon ausgeht, dass der DAX ansteigen wird. Die Positionsgröße beträgt 15 x 6.000 Euro = 90.000 Euro. Da bei diesem Index CFD ein Marginsatz von 1 % zur Anwendung kommt, beträgt die Marginanforderung 90.000 Euro * 0,01 = 900 Euro. Der effektive Hebel berechnet sich nun, indem die Positionsgröße durch den Kontostand dividiert wird. In diesem Beispiel ergibt sich daraus ein effektiver Hebel von 6 (90.000 / 15.000 = 6).

Wie wirkt sich der effektive Hebel nun bei Kursschwankungen aus?

Fassen wir nochmal zusammen: der Trader im Beispiel verfügt über 15.000 Euro Gesamtkapital und entscheidet sich für einen Kauf von 15 DAX CFDs, mit denen er eine Long Handelsposition eingeht. Die Margin liegt bei 1 %, also 900 Euro. Der effektive Hebel beträgt 6.

Nun ist der Trader im Glück und der DAX steigt um zwei Prozentpunkte. Mit der Long Handelsposition, die der Trader mit seinem DAX CFD hält, verdient er dadurch 1.800 Euro (15 DAX CFDs * 120 Euro = 1.800 Euro). Sein Gesamtkapital steigt dadurch von 15.000 Euro auf 16.800 Euro. Dies entspricht einem Anstieg 12 %. Dieser Anstieg entspricht also der 6-fachen Hebelung des DAX Kursanstieges um 2 %.

Für den Fall, dass der DAX nicht um zwei Prozentpunkte ansteigt, sondern fällt, muss er einen Verlust von 1.800 Euro hinnehmen. Dadurch sinkt sein Kontostand auf 8.200 Euro, einem Verlust von 12 %. Auch hier sorgt der Hebel dafür, dass sich die ursprüngliche Kursveränderung von 2 % deutlich stärker auswirkt.

Zusammenfassung der CFD Hebelwirkung

Bei gehebelten Finanzprodukten, zu denen neben den CFDs beispielsweise auch Optionsscheine und Hebelzertifikate gehören, ist der Hebel dasjenige Werkzeug, welches das Trading besonders interessant macht. Denn auch geringe Kursveränderungen zu Gunsten des Anlegers können hohe Gewinne zur Folge haben. Gleichzeitig können diese aber auch in hohe Verluste resultieren, wenn der Kursverlauf nicht den Erwartungen des Anlegers entspricht. Der direkte Hebel berechnet sich dabei durch die Division des Marginsatzes durch die Zahl 100. Der effektive Hebel hingegen ist die Bezugsgröße, die sich ergibt, wenn die Positionsgröße durch den Kontostand geteilt wird.

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